Chronik der Familie Arnet

Vorwort
Seit etwa 2008 bin ich auf der Suche nach meinen Vorfahren. Ich war in diversen Archiven, dem Stadtarchiv Sempach LU und dem Staatsarchiv Luzern unterwegs und habe mir auch von einigen Zivilstandsämtern die Abschriften von Registern zusenden lassen. Das ganze ist nicht immer kostenlos. Nur schon die zweijährige Bewilligung vom Kanton Luzern, um in neueren Einträgen (ab ca. 1900) suchen zu dürfen, kostet 75 Franken. Auch die Ämter, welche mir die Abschriften zusenden, verrechnen Ihre Honorare. Lediglich das Forschen in Pfarreiarchiven und dem Staatsarchiv ist kostenlos – sofern man keine Kopien etc. anfertigen lässt. Die Forschungen – und somit auch die Chronik – sind noch nicht abgeschlossen, was bedeutet, dass laufend neue Erkenntnisse und Änderungen hinzukommen können.

Hinweis
Ich gehe in der Regel nur auf die direkten Vorfahren ein. Die restlichen Verwandten werden lediglich erwähnt.
Die eventuell im Text verwendeten Zeichen bedeuten: * = Geburt / ∞ = Heirat / + = Tod

Generation 1 – Die Anfänge
Vermutlich im Jahr 1722 wurde Paul Arnet geboren. Er ist mein Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Urgrossvater oder einfacher ausgedrückt: Ich, meine Geschwister, meine Cousins und Cousinen sind die neunte Generation. Sein Geburtsdatum sowie der Geburtsort sind bis jetzt noch nicht bekannt. Im Sterbebuch von Udligenswil LU steht: Paul Arnet, gestorben am 4. April 1781 im Alter von 58 Jahren. Sein Vater wird wohl um 1690 geboren worden sein – gefunden habe ich ihn allerdings noch nicht. Die Ehefrau von Paul war Anna Maria Hofer. Bis jetzt konnte ich vier Kinder des Ehepaares ausfindig machen, alle wurden in Udligenswil geboren und getauft:
Johann Jakob (*unbekannt), Anna Maria Barbara Martina (*1773), Johann Kaspar Melchior Paul (*1775), Katharina (*1780). Es kann davon ausgegangen werden, dass es noch weitere Kinder gegeben hat, da Vater Paul bei der zurzeit Jüngsten bereits 41 Jahre alt war.

Generation 2
Johann Jakob heiratete am 6. Februar 1793 in Udligenswil Katharina Keiser. Sie ist die Tochter von Jodok und Anna Barbara Keiser-Schiffmann. Das Geburtsdatum von Johann Jakob ist nicht bekannt, vermutlich wurde er aber zwischen 1760-1770 geboren.
Das Ehepaar Arnet-Keiser hatte acht Kinder, welche wiederum alle in Udligenswil geboren und getauft wurden:
Anna Maria Katharina Barbara (*1793), Anna Maria Katharina (*1795), Jodok Melchior (*1797), Johann Paul (*Januar 1799/+Mai 1799), Johann Oswald Jakob Leonz (*1800), Jakob Leonz Oswald (*1802), Johann Josef (*1804), und Anna Katharina Maria Barbara (*1806).

Generation 3
Jodok Melchior wurde am 28. März 1797 getauft. Er ehelichte wohl um ca. 1825 die Katharina Bächler. Zusammen hatten sie drei Kinder: Josef Jakob (*1826), Josef Martin (*1827) und Maria Barbara (1830). Jodok Melchior hatte wohl zwei Berufe. Zu Beginn werden bei den Einträgen als Berufsbezeichnung Maurer und später Landwirt angegeben.

Generation 4 – Kauf der Liegenschaft „Fegfeuers“
Josef Martin wurde am 4. Oktober 1827 in Udligenswil LU geboren und getauft. Er heiratete am 20. Juni 1857 in Neuenkirch LU die am 12. Oktober 1826 in Menzberg LU geborene Maria Agatha Amrein.
Einige Monate vor der Hochzeit, am Abend des Donnerstags, 5. März 1857, ersteigerte der Landwirt Josef Martin im Saal des Gasthauses Rössli in Ruswil LU das Heimwesen „Fegfeuer“ (heute Sälimattli) für 2400 Gulden bzw. 4571 Franken und 43 Cents. Die Liegenschaft gehörte zur Kirchgemeinde Neuenkirch LU, politisch aber zur Gemeinde Ruswil.
Einige interessante Fakten aus dem Kaufprotokoll:
Jährlich zu entrichten sind: „Dem Herrn Pfarrer in Neuenkirch einen halben Tag zu holzen; in den Murihof in Sursee ein Huhn, wofür laut Angaben des früheren Besitzers Zurburg pro Jahr gewöhnlich sieben Schillinge entrichtet worden seien. “
Zum Kauf gehörten unteranderem: „Eine Kuh, alles Heu und Stroh, zwei Äxte, ein Beil, zwei Hauen, eine Schaufel, der in der Stubenkammer stehende Kasten, das Bett in der Stube, eine Stubenuhr, das in der Stube stehende Genterli, ein Tisch und ein Sessel sowie eine hölzerne und eine eiserne Gabel.“
Das Ehepaar Arnet-Amrein hatte sieben Kinder: Josef Mathias (*1857), Agatha (*1859), Aloisia (*1860), Xaver (*1861/+1943), Jakob (*1863), Josef Alois (*1864) und Kaspar (*1867). Alle Kinder wurden in Neuenkirch LU getauft.

Generation 5
Sohn Xaver wurde am 4. November 1861, morgens um 05.00 Uhr auf dem Hof Fegfeuer geboren. Bereits einen Tag später, am 5. November wurde er um 16.00 Uhr in Neuenkirch getauft. Aus seiner Kindheit ist nichts überliefert. Mit gut 31 Jahren aber lernte er als junger Müllermeister die Anna Elisabetha Risi kennen. Sie wurde am 19. Dezember 1870 in Buochs NW den Eltern Kaspar Risi und Anna Stalder geboren. Am 21. Januar 1893 schlossen Anna Elisabetha und Xaver in Cham ZG den Bund der Ehe. Eine bis heute erhaltene Pendeluhr, die als Geschenk einer Zuger Müllerei dem Ehepaar zur Hochzeit übereicht wurde, zeugt noch heute davon.
Fast zwei Jahre darauf, am 13. Dezember 1894 erblickte auch schon ihr erstes Kind, Xaver jun., in Cham das Licht der Welt. Es folgten fünf Geschwister: Anna Katharina (*1896/+1962), Otto (*1898/+1924), Maria (*1903/+1970), Elisa Maria (*1905/+1949) und Walter (*1909/+1936).
Bevor Sohn Xaver schulpflichtig wurde, übersiedelte die Familie nach Ruswil LU. Dort übernahmen die Eltern die Pacht der Neumühle. 1911 kauften sie dann eine Liegenschaft in Sempach LU. In Sempach baute Vater Xaver dann auch eine dem Verband gehörende Mühle, die aber etwa 2005/06 dem Boden gleich gemacht wurde. Nebenbei pachtete er auch noch den Gasthof zum Kreuz in Sempach. Sohn Xaver betrieb die Liegenschaft und half ab und zu auch in der Mühle aus.
Anmerkung zu Otto: Er wurde in keinem Familienregister aufgeführt. Mein Grossvater Dominik und Grossonkel Walter erzählten mir aber, dass er existiert hat. Später habe ich ihn dann im Sterbebuch von Sempach gefunden.

Generation 6 – Kauf der Liegenschaft „Mittelarig“
Im Jahre 1921, es war der 5. Februar, ein Samstag, heiratete Xaver in Sempach die Maria Verena Schürmann. Sie wurde am 11. April 1898 in Neuenkirch LU den Eltern Josef und Rosa Schürmann-Albisser geboren.
Xaver und Maria Verena Arnet-Schürmann hatten 13 Kinder: Xaver Johann (*1921/+1997), Anna Maria (*1922/+2010), Rosa (*1923/1981), Anna (*1924/+2010), Josef (*1925/+2005), Laurenz Johann „Hans“ (*1927/+2005), Dominik (*1929), Theresia Verena „Theres“ (*1930/+2011), Anton Alois „Alois“ (*1932/+2003), Paula (*1934), Elisabeth (*1935/+2012), Agatha (*1937) und Walter (*1939).
Die ersten sieben Kinder wurden in Sempach geboren, die nächsten vier in Neuenkirch und die letzten zwei in Buttisholz LU.
Im Jahr 1927, in dem auch Sohn Laurenz Johann geboren wurde, übernahm der junge Familienvater Xaver die Pacht der Liegenschaft Ebersmoos in Sempach LU. Drei Jahre später pachtete er für sechs Jahre den Bauernbetrieb Adelwil, welcher der Familie Stofer gehörte. Weitere drei Jahre später, am 22. März 1933, starb seine Mutter Anna Elisabetha in Sempach LU.

Inzwischen hatte die Familie Arnet so viel angespart, dass man es wagen durfte, einen eigenen Bauernbetrieb zu erwerben. 1936 wurde die junge Familie durch den Hinweis eines alten Mannes auf die Liegenschaft Mittelarig in Buttisholz aufmerksam, welche der Besitzer Adolf Stadelmann zum Kauf anbot. Xaver Arnet-Schürmann erstand die alte und heruntergekommene Liegenschaft bei der Versteigerung, aber ohne das Pferd – das Geld reichte nicht. Nach dem Kauf begann der Umzug. Mit dem Lastwagen der Mühle wurden die zehn Kühe von Sempach nach Buttisholz gefahren. Hinten auf den LKW wurde ein Sofa geladen, auf dem die Kinder nach Mittelarig mitfuhren. In Mittelarig angekommen wurden die Kühe dann auf den Miststock abgeladen, damit sie eben aus dem Lastwagen steigen konnten.
Während den Kriegsjahren wurde dann aber ein Pferd gekauft – gemäss Überlieferung ein alter Gaul. Dieser wurde auch einige Male an die Nachbarsfamilie Bucheli ausgeliehen.
Die Dreissigerjahre waren schlecht. Viele Bauern gingen Konkurs und konnten ihre Höfe nicht behalten. Die Arnet auf Mittelarig wussten aber wie man mit Geld umgeht und so vermochten sie den Hof zu halten.

1939, nach der Geburt von Walter, erkrankte zum Leid der ganzen Familie die Gattin und Mutter Maria Verena an einer Lungenkrankheit.
Kurz darauf, es war Herbst, kam Tante Rosa, eine Schwester der Mutter Maria Verena, mit ihrem Pferd von Sempach her um einige Birnen abzuholen. Sie wollte Dominik auch mit nach Sempach nehmen. Da gerade Herbstferien waren – damals dauerten diese fünf bis sechs Wochen – und die Mutter noch immer krank war, ging er mit. Als die Ferien vorüber waren blieb er auf Wunsch der Tante noch für ca. drei Jahre auf deren Hof Benziwinkel.
Am 31. März 1942, nach fast fünf Jahren leiden und kämpfen, starb Maria Verena im Alter von 43 Jahren in Buttisholz. Ein Jahr später, am 21. Mai 1943 starb auch Grossvater Xaver Arnet-Risi in Sempach. Trotz der vielen Schicksalsschläge musste das Leben weitergehen. Der tiefgläubige und schwergeprüfte Familienvater Xaver arbeitete von morgens früh bis abends spät auf seinem geliebten Bauernhof.
Sogar der Käsereigenossenschaft diente er als Mitglied der Rechnungs- und Baukommission. Und so fand Xaver in Buttisholz seine eigentliche Heimat.

Im Jahr 1960 übergab Xaver seinen Beiden Söhnen Dominik und Walter die Liegenschaft Mittelarig in Pacht. Sechs Jahre später erkrankte er an einem heimtückischen Rückenleiden – aber ein Aufenthalt in der Klinik St. Anna in Luzern brachte vorübergehend Heilung. Dazu hat sicher auch die Freude an seinen 34 Enkelkinder beigetragen. Kurze Zeit später, im Oktober 1966, stellten die Ärzte aber ein Darmleiden fest. Trotz sofortiger Überführung ins Kantonsspital Luzern und zwei operativen Eingriffen, konnte das Leben des arbeitsamen Vaters nicht mehr gerettet werden.
Xaver Arnet-Schürmann verstarb mit 72 Jahren am 4. November 1966 in Luzern. Er wurde vier Tage später, am 8. November in Nottwil LU beerdigt.

Generation 7
Mein Grossvater Dominik wurde am 17. Mai 1929 in Sempach geboren. 1936 zog er dann mit seinen Eltern und Geschwistern von Sempach nach Mittelarig (wie bereits beschrieben).
1960 übernahmen er und sein Bruder Walter den Hof von ihrem Vater Xaver zur Pacht. Im selben Jahr heiratete Dominik in Buttisholz am 6. September 1960 Ida Bucher.
Ida wurde am 22. März 1936 auf dem Hof Ober Rot in Ruswil den Eltern Theodor und Agatha Bucher-Grüter geboren.
Zwei Tage nach der zivilstandsamtlichen Trauung, am 8. September, wurde die Ehe in der Wallfahrtskirche in Luthern-Bad auch vor Gott bezeugt. Dominik und Ida wurden Eltern von fünf Kindern:
Bruno Xaver (*1961), Eugen Theodor (*1962), Monika Ida (*1964), Erwin Walter (*1966) und Othmar (*1968).
Im Jahr 1966 übernahmen meine Grosseltern Dominik und Ida gemeinsam den Hof Mittelarig.
Am 20. September 2015, kurz nach dem 55. Hochzeitstag, verstarb Ida ganz plötzlich und unerwartet im Kantonspital Luzern. Am 24. September wurde sie in Buttisholz beerdigt.

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